Hauswein:Bunte, 09/2007

Beim Wein vertraut die Regierung einem Experten
Sommelier Gunnar Tietz hat für die Kanzlerin 1200 Weine auf Lager 

Wein erfreut des Menschen Herz! Das schrieb bereits der große deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel weiß um die politisch-diplomatischen Vorzüge eines edlen Tropfens, lässt ihren Gästen im Kanzleramt möglichst das Beste vom Besten einschenken. Zum Beispiel als sie die neuseeländische Premierministerin Helen Clark bewirtete. Da gab es einen 2005er Silvaner vom fränkischen Weingut Horst Sauer – nicht zu verwechseln mit dem Gatten der Kanzlerin, Joachim Sauer – und eine 2003er Cuvee Traumzeit vom Staatsweingut Weinsberg in Württemberg.

Das Amt hat einen eigenen „Weinkeller“, das heißt keinen richtigen Keller, aber temperierte Weinschränke in Lagerräumen. Neuerdings auch im Regierungsgästehaus Schloss Meseberg. Den Einkauf besorgt in der Regel der Koch der Kanzlerin, Ulrich Kerz, den sie von Vorgänger Gerhard Schröder übernahm. Für größere Essen mit Staatsgästen bringen jedoch die Spitzenköche aus Berliner Top-Restaurants, die für solche Gelegenheiten reihum kochen dürfen, die Getränke mit.

Dazu zählt Matthias Buchholz mit seinem Restaurant „First Floor“ im Hotel „Palace“, das im Michelin-Restaurantführer mit einem Stern ausgezeichnet ist. Buchholz bringt einen der anerkanntesten Sommeliers, also Weinkellner, Deutschlands mit: Gunnar Tietz, 38, für seine exzellenten Weinkenntnisse vielfach ausgezeichnet, demnächst im Aral-Schlemmeratlas als "Sommelier des Jahres 2008".

Von ihm nimmt die Kanzlerin Ratschläge an. Nicht nur weil er 17 Jahre Berufserfahrung hat und im „Palace“-Hotel seit 2001 als Chef-Sommelier tätig ist – er stammt außerdem aus Templin, mithin demselben ostdeutschen Ort, in dem Angela Merkel aufwuchs!

Mehr noch, MerkeIs Vater Horst Kasner, von Beruf Pfarrer, traute einst GunnarTietz und seine Frau!

Das Weinangebot des Sommeliers an seinem Arbeitsplatz im Nobelrestaurant „First Floor“ umfasstüber 1200 Positionen, wurde unlängst vom Rating-Unternehmen Wine Spectator zu einer der besten Weinkarten der Welt ernannt! Darüber hinaus engagiert sich Tietz in einem Weinvertrieb über Internet (www.hauswein.de), wo er jeweils sechs qualitativ hochwertige Alltagsweine zusammenstellt, die eine stimmige Auswahl sortentypischer Weine ergeben.

Im Dienst trägt er als Zeichen seiner Würde nicht wie andere Weinkellner eine Miniatur von Weinlaub und Traube am Revers, sondern einen goldenen Korkenzieher aus Burgund. Er kennt sich mit allen Weinsorten aus, weiß aber, dass bei der Kanzlerin aus Nationalprestige nur deutsche Weine, weiße und rote, gereicht werden dürfen. Selbst als Aperitif nur deutscher Winzersekt!

Der deutsche Wein braucht sich qualitätsmäßig längst nicht mehr vor der ausländischen Konkurrenz zu verstecken.Im Gegenteil, die Nachfrage aus dem Ausland nach den deutschen Rebsorten Riesling und Silvaner steigt stetig. Deutscher Rotwein hinkt im Exportgeschäft allerdings noch hinterher. Wie wäre es, wenn Angela Merkel, die gerade auf einer China- und Japanreise energisch für deutsche Produkte warb, einmal im Kanzleramt mit ausländischen Diplomaten und Weinexperten eine Weinverkostung veranstalten würde?

Fachkundig unterstützt von Gunnar Tietz, dem Sommelier aus ihrem Heimatort!